Aufgekommene Fragen...

 
   
     
 
 
     
  Ich wurde gefragt:  
  […] In Stresssituationen reagiert mein Wallach manchmal mit Eilen und nervösem Vorwärtsdrängen …

 
     
  Meine Meinung dazu:  
  Gerne möchte ich versuchen, Dir Deine Frage zu beantworten. Aus der Ferne fällt mir das nicht leicht, da ich Dich und Dein Pferd nicht kenne. Ich finde es allerdings sehr positiv, was Du über Dich und Dein Pferd erzählst. Schön, dass Du Dir so viele Gedanken um die Beziehung zu Deinem Pferd machst. Ganz liebes Lob!

Dass Pferde in stressigen Situationen manchmal überreagieren ist völlig normal. Das passiert bei Lea und Smokey auch manchmal.
Dazu möchte ich als erstes allgemein sagen: Stress kann man nicht durch Zwang „vermeiden“, Stress muss abgebaut werden – am Besten durch Bewegung.
Möchte sich das Pferd nun also flott bewegen, so lasse ich es zu, soweit es die Umgebung erlaubt. Ich marschiere dann in dem Tempo, das das Pferd vorgibt am lockeren Strick neben dem Kopf des Pferdes her und bemühe mich um eine lockere Körperhaltung und tiefen, entspannten Atem. Oft werden die Pferde dann von selbst langsamer, der Stress baut sich ab.
Ziehen bzw. ein gespannter Strick ist immer kontraproduktiv. Das Pferd ist sowieso „stärker“ und wird dadurch nur auf Druck desensibilisiert, das heißt der Druck müsste immer wieder erhöht werden.
Durch Volten gehen fühlen sich manche Pferde noch mehr unter Stress gesetzt, andere beruhigen sich dadurch.
Das Rucken am Strick kann in manchen Situationen sinnvoll sein, sollte aber dosiert erfolgen und immer mit „Feedback“ – also wenn das Pferd langsamer wird LOBEN.
Ich arbeite nach dem Prinzip der positiven Verstärkung. Ich bemühe mich also darum, eine richtige Reaktion beim Pferd zu erzielen bzw. „zufällig“ herauszukitzeln und lobe dann ausgiebig. In Stresssituationen kann Futterlob angebracht sein – Kauen beruhigt und viele Pferde senken dann den Kopf und atmen tief durch.
Sehr viel Einfluss hat unsere eigene Körper- und Seelen“haltung“ auf das Pferd. Versuche während des Gehens locker zu sein, bewusst zu atmen und ganz bewusst IMMER WIEDER alle Muskeln zu lockern und eigene Verspannungen immer wieder zu lösen. Gehe ganz bewusst innerlich langsam (auch wenn Du äußerlich flott marschierst), lass quasi innerlich Deinen Schwerpunkt sinken, bleib in Deiner Körpermitte, sei körperlich und geistig-seelisch zentriert. Das wirkt sich beruhigend auf das Pferd aus.
Bei Pferden, die bereits Seitengänge gelernt haben, baue ich diese mit ein. Manche Pferde zentrieren sich dadurch und kommen wieder „zu sich“ zurück.
Rückwärtsrichten als Strafe halte ich nicht nur für sinnlos, sondern für schädlich in der Ausbildung. Rückwärtsgehen ist eine prima Gymnastik- und Körpergefühlsübung – wird das Rückwärtsgehen als Strafe missbraucht, so ist es für die Körperarbeit nicht mehr zu gebrauchen, weil es im Unterbewusstsein des Pferdes negativ abgespeichert ist. Smokey hatte als er zu mir kam ein Rückwärtsstrafetrauma … ich „arbeite“ nun mit ihm seit fast 9 Jahren daran und er fällt manchmal immer noch dahin zurück.
Auch eine sehr gute Möglichkeit Pferde zu „bremsen“ ist die Arbeit mit der Touchiergerte. Dazu würde ich Dir die Bücher von Linda Tellington-Jones empfehlen. Das Abstreichen mit der Gerte sorgt für mehr Körpergefühl des Pferdes und das Pferd lernt, dass ein Berühren mit dem Gertenknauf an der Brust oder am Buggelenk –langsamer- bedeutet.
Wie bereits gesagt ist die eigene Haltung körperlich sowie auch innerlich-mental wichtig. Gehe in Gedanken langsamer, sei zentriert und schreite innerlich langsam.
[…]
 
     
     
     
 
 
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