Aufgekommene Fragen...

 
   
     
 
 
     
  Ich wurde gefragt:  
  [...] Haben Sie auch noch Tips für Pferde mit Hängerproblemen?
Mein Pferd geht auf den Hänger, doch bekommt Panikattacken, wenn ich den Hänger verlasse und geht dann vorne über die Stange. Habe schon so viel versucht und bin echt ratlos.
 
     
  Meine Meinung dazu:  
  [...]
Wegen Deinem „Hängerproblem“ werde ich gerne versuchen Dir und Deinem Pferd zu helfen:

Als erstes ist es sehr wichtig, dass Du das Verhalten Deines Pferdes verstehst und nachempfinden kannst. Für das Fluchttier Pferd ist der enge, dustere Anhänger eine beengende Falle, die das Pferd natürlicherweise immer meiden würde. Versuch die Sache aus der Sicht des Pferdes zu sehen, um die Gefühle Deines Pferdes verstehen zu können.

Du solltest im Vorfeld sämtliche Vertrauenslektionen (in allen verschiedenen Führpositionen) mit Deinem Pferd vertieft haben, besonders Übungen in Engpassgassen (z.B. Flatterbänder, Planen, Strohballen, Tonnen, usw.), auf wackeligem, federnden, geräuschvollem Untergrund (z.B. Brett, Brücke, usw.) und unter „Dächern“ hindurch (z.B. Flattervorhang, Plane über das Pferd, Durchschreiten von Bögen, usw.). Auch das Rückwärtstreten sollte für das Pferd auf allen Untergründen selbstverständlich leicht geworden sein, denn es muss ja rückwärts wieder die Rampe hinunter treten.
Erst dann sind in Bezug auf gegenseitiges Vertrauen die Voraussetzungen gegeben, dass Dein Pferd Dir freiwillig in den Hänger folgen kann.
Um im Hänger zu verweilen wird noch mehr Vertrauen notwendig, da dem Pferd jegliche Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit im Anhänger genommen wird.

Ich würde folgendermaßen vorgehen (wie gesagt: die Grundvertrauensübungen wie oben genannt sollten verinnerlicht sein):

Ich würde das Pferd voller Ruhe und mit lockerer Selbstverständlichkeit in den Hänger führen (oder soweit sich das Pferd zum jetzigen Zeitpunkt gehen traut). „Vernichte“ alle Deine inneren Bilder des Widerstandes und lass positive Bilder in Deinen Gedanken entstehen. An der entsprechenden Stelle am oder im Hänger, wo für Dein Pferd die „Grenze“ ist, würde ich Futter anbieten (Am Besten Müsli oder ähnliches wofür das Pferd länger an Ort und Stelle verweilen muss um zu Fressen. Das Müsli oder die Getreidekörner kannst Du auf den Boden streuen, dann bist Du nicht beschäftigt mit Leckerli füttern, sondern kannst Dich auf Dein Pferd konzentrieren und das Pferd senkt den Kopf ab, wobei es sich in eine Entspannungshaltung begibt.).
Ich würde dabei dem Pferd jegliche Bewegungsfreiheit gewähren, das Pferd also jederzeit hinausgehen lassen, wenn es dies möchte.
Während der ganzen Übung würde ich für eine ruhige Atmosphäre und vor allem Sicherheit sorgen – das Pferd darf sich weder verletzen noch in Stress versetzt werden.
Sollte das Pferd in Aufregung geraten, brich die Übung einstweilen ab und versuche Dich und das Pferd zu beruhigen – geh erst wieder auf den Hänger zu, wenn Du Dich völlig „gefasst“ hast und auch das Pferd ruhig ist. Sollte das nicht gelingen, verschiebe die Übung auf den nächsten Tag. Ruhe und Gelassenheit sind die Voraussetzung für positives Lernen.

Diese „Futterübung“ würde ich mehrere Wochen täglich wiederholen, so wird Dein Pferd in Zusammenhang mit dem Hänger positiv konditioniert und Euer Vertrauensverhältnis wird gestärkt. Das Pferd wird so immer weiter vertrauensvoll in den Hänger gehen und immer länger gelassen im Hänger bleiben.
Dann würde ich beginnen ein ruhiges hängersicherers Pferd in den Hänger zu bringen und erst dann Dein Pferd dazu zu führen. Der Zeitraum in dem Dein Pferd ruhig bleibt, wird sich bestimmt immer weiter verlängern.
Wenn Dein Pferd mit dem Zweitpferd ruhig im Hänger steht und ohne sich beengt zu fühlen in Ruhe frisst (jetzt kannst Du z.B. auch Heu anbieten um längere Fresszeiten zu erlangen), würde ich beginnen zwischendurch die Rampe zu schließen. Den Zeitraum der geschlossenen Rampe würde ich langsam verlängern und dabei das Pferd gut beobachten. Du solltest immer die positive, ruhige Atmosphäre wahren – lass keinen Stress aufkommen.
Brich die Übung ab, bevor Dein Pferd evtl. unruhig wird.
Genau in denselben kleinen Schritten würde ich dann mit den Fahrten vorgehen: erst nur wenige Meter fahren, dann mehrere Minuten, usw. Dabei würde ich nichts erzwingen und mir und dem Pferd alle Zeit der Welt geben.
Mit einem zuverlässigen Zweitpferd fühlen sich viele Pferde sicherer im Hänger. Hast Du keine Möglichkeit ein sicheres Pferd mitfahren zu lassen, so solltest Du Deinem Pferd noch mehr Zeit geben. Es muss ja dann alleine die schwere Aufgabe bewältigen (gesetzmäßig darfst Du als Mensch nicht mit im Hänger fahren.). Du kannst Dein Pferd aber, wenn es soweit ist zu fahren, mental unterstützen: positive Bilder in Deinen Gedanken erreichen auch die Gedanken Deines Pferdes. Wenn Du an Dein Pferd glaubst, spürt das Pferd Deine mentale Sicherheit und wird auch selbstsicher sein.

Ganz wichtig ist dem Pferd durch eigene Ruhe und (Selbst-) Sicherheit zu vermitteln, dass ihm keine Gefahr droht. Deshalb ist es sehr wichtig, sobald das Pferd Angst zeigen sollte, sofort wieder einige „Schritte“ im Training zurück zu gehen. Vertrauen gewinnen geht langsam und kann nicht erzwungen werden. Wenn die Vertrauensbeziehung gefestigt ist, wird das Pferd mit Dir sicherlich überall hingehen und sich dort auch sicher sein, dass ihm nichts passieren wird.
Bei Pferden, die bereits schlechte Erfahrungen mit dem Hängerfahren gemacht haben, ist noch mehr Einfühlungsvermögen und Geduld seitens des Menschen erforderlich.
Die Mühe dieses Vertrauenstrainings lohnt sich auf jeden Fall – im „Notfall“ sollte das Pferd vertrauensvoll seinem Menschen überall hinfolgen und seinem Menschen vertrauen, dass er das Richtige tut. Es liegt also allein an uns Menschen, dem Pferd Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln!

Lass Dich während der Übungen durch nichts aus der Ruhe bringen und pflege Deine positiven inneren Bilder, so dass die lockere Selbstverständlichkeit bei allem was Du tust „normal“ ist. Sieh Dich und Dein Pferd voller Ruhe und gegenseitigem Vertrauen im Hänger stehen. Verinnerliche dieses Bild in Deinen Gedanken und Deinen Gefühlen und vermittle dieses innere Bild Deinem Pferd – Du wirst sehen: innere Bilder (Visualisierung) bewirken Großartiges!

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg!

 
     
 
 
   Bodenscheu...
 Recht auf Meinungsäußerung au...